Geschichte des Reit- und Fahrvereins Büren

(von Heinz Lummer)

Die Liebe zum Pferd und zur Reiterei veranlasste den passionierten Reitersmann Heinrich Strömer aus Ostpreußen, eine Schar Reiter aus Büren und Umgebung um sich zu sammeln und ihnen Reitunterricht zu erteilen. Auf der Schulenburgischen Wiese am Ende der Almestraße erteilte er 1949 den ersten Reitunterricht. In jenen Jahren gab es im Bürener Raum kaum Warmblutpferde, da für die schwere Arbeit in der Landwirtschaft fast ausschließlich Kaltblutpferde eingesetzt wurden. Die wenigen Warmblutpferde bei diesen ersten sonntäglichen Übungsstunden verrichteten ihren wöchentlichen Dienst in der Landwirtschaft oder von einem Bäckerwagen.

Am 22. November 1950 war es dann soweit, dass sich eine kleine Gruppe Reitsportinteressierte im Gasthof Luis in Büren zu einem Verein formierte, der sich "Pferdezucht-, Reit- u. Fahrverein Büren" nannte. Obschon der Verein sich - wie viele andere auch - Pferdezuchtverein nannte, lag das Hauptaugenmerk auf der Reiterei. Auch das Wort Fahrverein war damals selbstverständlich, da fast alle Reitpferde, wie anfangs erwähnt, auch angespannt wurden. Bei den damaligen Turnieren gehörten immer Fahrprüfungen zum Programm.

Der Vereinsvorstand im Gründungsjahr

Schon bald wurde der Reitplatz von der Almestraße auf den Schützenplatz zwischen der Schützenhalle und dem Freibad verlegt, da die bisherige Wiese wieder vom Eigentümer benötigt wurde.

Der Verein begnügte sich zunächst einmal mit kleinen öffentlichen Auftritten. So wurde beim Oktoberfest 1952 eine Quadrille in historischen Uniformen des 8er Husarenregiments vorgeführt. Das Kommando hatte der damalige Geschäftsführer Gendarmeriehauptmann a.D. Franz Schönne. Etwa ein Jahr später stellten die Reiter bei einem Molkereifest, dem sogenannten Schmandfest, an der Schützenhalle in einer Springprüfung ihr Können unter Beweis. Die Bürener Molkerei spendete in diesem Zusammenhang die relativ hohe Summe von 300 Mark.

Schon bald übernahm Dr. Rövekamp die Aufgabe des Reitlehrers, da Heinrich Ströhmer aus beruflichen Gründen Büren verließ und nach Luxenburg zog.

Im Jahre 1953 nahmen Bürener Vereinsmitglieder zum erstenmal an Turnieren in der näheren Umgebung teil. Der Pferdezucht-, Reit- u. Fahrverein Salzkotten, der schon länger bestand, führte in diesen Jahren regelmäßig Turniere in Oberntudorf (Gasthof Meier) durch, an denen man sich beteiligte. Pferdetransporter oder Viehtransporter gab es damals kaum. Manches Pferd trabte diesen Weg dorthin und zog dabei auch noch die Kutsche.

Der Verein, der sich dem Verband der Pferdezucht-, Reit- und Fahrvereine des Kreises Lippstadt und Umgebung angeschlossen hatte, nahm zum erstenmal im Jahre 1954 mit einer Mannschaft beim Wettkampf um die Kreisstandarte teil. "Wir konnten uns zwar nicht platzieren, waren aber stolz auf unsere erste Teilnahme", so berichtet Dr. Rövekamp. Doch schon 2 Jahre später gelang es den Reitern Johannes Schulte, Fritz Reymann, Anton Nacke und Hans Josef Gockel beim Kreisverbandsturnier in Anröchte einen beachtlichen 3. Platz zu erzielen. Aufgrund starker Mannschaften in Erwitte und Lippstadt gab es in den folgenden Jahren keine Steigerung darüber hinaus.

Neben der Teilnahme an Turnieren führte der Verein zwischen 1953 u. 1956 einen spätsommerlichen Ritt in die Wälder durch, wobei bei den "3 Kreuzen" im Haarener Wald ausgiebig Rast gemacht wurde.

1956 wurde zum ersten mal eine Fuchsjagd durchgeführt. In der Gastwirtschaft auf dem Bennenberg fand der abendliche Reiterball statt.

Mit der allgemeinen Mechanisierung in der Landwirtschaft verschwanden fast alle Pferde von den Höfen. Verantwortungsbewusste Damen und Herren führten deshalb in Deutschland den "Tag des Pferdes" ein. Diesen Tag, der Mitte Oktober stattfand, nahm der Bürener Verein zum Anlass, seine jährliche Fuchsjagd durchzuführen.

Erstes Reitturnier in Büren

Im Jahre 1957 veranstaltete der Bürener Verein zum erstenmal ein Reit- u. Fahrturnier. Dieses wurde auf der Wiese vor Gödde-Menke durchgeführt. Hier stehen heute die Gebäude der Firma Gebro an der Fürstenberger Straße. Neben den üblichen Reitprüfungen wurden 4 Eignungsprüfungen für Wagenpferde durchgeführt. Drei zweispännige Kaltblut-gespanne wurden von Anton Schütte (Keddinghausen, Besitzer A. Mönnig), Willi Kloppenburg (Brenken) und Ferdi Schäfer (Leiberg) vorgeführt. Zwei Viererzüge gab es ebenfalls zu sehen. Einen dieser Viererzüge führte Heinz Damm aus Lippstadt vor. Nach der Vorführung zog er mit seinem Vierergespann zu Fuß nach Lippstadt zurück.

Im Jahre 1959 verlegte der Verein seinen Übungsplatz vom Schützenplatz auf die Stelle, wo heute die Schießsportanlage steht. Die Stadt erhob für die Benutzung eine Gebühr von 3 Mark. Die Mitglieder holten mit Schleppern und Anhängern Füllsand von Anreppen für die Reitbahn, um bei ungünstigen Bodenverhältnissen reiten zu können.

1961 führte der Verein sein zweites Reit- u. Fahrturnier als Kreisverbandsturnier durch. Auf dem damaligen Turnierplatz an der Fürstenbergerstraße (Weide von Kaup-Habig) stehen heute die Gebäude der Firma Evers. Beim Wettkampf um die Kreisstandarte erzielte die Bürener Mannschaft erstmals einen 2. Platz. Dieses gute Ergebnis wurde in den folgenden Jahren noch zweimal erreicht.

Der Wettkampf um die Kreisstandarte bestand aus einer Dressurprüfung, Springprüfung und einem Geländeritt. Bis zum Jahre 1960 gehörte noch eine Einspännerprüfung für Wagenpferde zum Wettkampf, die von zwei Pferden der Mannschaft verlangt wurde. Diese Prüfung wurde abgeschafft, da allmählich immer weniger Pferde im Geschirr gingen. Außerdem war es eine Belastung für die Reiter. Mit Schleppern mussten Anhänger und Kutsche zum Turnierort transportiert werden.

In den siebziger Jahren gab es so gut wie keine Turniere mehr mit Prüfungen für Wagenpferde. Damals hätte man den heutigen Aufschwung des Fahrsports nicht für möglich gehalten.

Der Verein hatte inzwischen 65 Mitglieder, davon dreizehn aktive Reiter- und Reiterinnen.

Der Vorstand im Jahre 1962:

Erweiterter Vorstand

Neues Reitgelände

Schon bald stellten die Reiter fest, dass der Reitbetrieb am Sportplatz laufend durch die Fußballveranstaltungen und Schützenfeste beeinträchtigt wurde. Der Verein hatte den Platz vom Sportverein gepachtet und musste laut Vertrag Rücksicht auf den Sportbetrieb nehmen.

Der Verein pachtete daraufhin ein Grundstück der Firma Evers in unmittelbarer Nähe der Gastwirtschaft auf dem Bennenberg. Der Ausbau kostete erneut viel Arbeit, Zeit und Geld. Das hängige Gelände musste mit Planierraupen geebnet werden und die Dressurbahn mit einer Sandschicht versehen werden. In den nicht weit von hier entfernten Ställen der Familie Kleeschulte konnten einige Pferde untergestellt werden.

Aufgrund der mehr als zehnjährigen Ausbildung durch Dr. Rövekamp hatten Reiter und Pferde inzwischen ein beachtliches Niveau erlangt. Neben vielen Einzelplatzierungen konnte die Bürener Mannschaft erstmals die Kreisstandarte beim Kreisverbandturnier in Rüthen erringen. Dieser Erfolg konnte 1966 beim Kreisverbandsturnier auf dem Bennenberg wiederholt werden. Zur großen Überraschung aller siegte die zweite Mannschaft des Bürener Reit- und Fahrvereins.

Auch eine mehrwöchige Fortbildung in den Wintermonaten beim Reit- u. Fahrverein Lippstadt mit Erlangung des Reiterabzeichens durch den Reitlehrer Gotthard verbesserte die Leistungen der Reiter.

Der Reitbetrieb fand nur in der Zeit zwischen Frühjahr und Ernte statt. Es wurde nur am Sonntag geübt. Reiten nach Feierabend und die Förderung des Nachwuchses war damals noch nicht möglich, weil keine Halle zur Verfügung stand. Die Reiter aus den umliegenden Dörfern wie Hegensdorf, Weiberg, Steinhausen und Eickhoff ritten erst bis zu zehn Kilometer zum Reitplatz. Dort wurde geübt und dann ging es wieder zu Fuß heimwärts. An den Bau einer Halle war aus finanziellen Gründen nicht zu denken.

Die zunächst für viele Jahre in Aussicht gestellte Pacht des Reitgeländes auf dem Bennenberg, wurde plötzlich gekündigt, da der in unmittelbarer Nähe liegende Steinbruch der Firma Evers erweitert werden sollte. Der Verein war nun erneut gezwungen, ein neues Gelände zu suchen.

Neben verschiedenen Flächen, die zur Auswahl standen, stellte Freiherr von Fürstenberg in Holthausen ein Gelände zur Verfügung. Hier konnten auch die vorhandenen Pferdeställe benutzt werden.

Schon einige Jahre zuvor hatte der Verein seinen alten Namen "Pferdezucht-, Reit- u. Fahrverein Büren" abgelegt und nannte sich nun Reit- u. Fahrverein. Diese Umbenennung war erforderlich, als der Verein beim Finanzamt die Gemeinnützigkeit beantragt hatte und das Finanzamt beim Wort "Zucht" die Gemeinnützigkeit in Frage stellte.

Schon 1966 waren Pläne herangereift, eine Hallenbenutzungsgemeinschaft mit dem Reit- und Fahrverein Salzkotten zu gründen, um die dort stehende Reithalle gemeinschaftlich zu nutzen. Es sollten dann noch weitere Ställe an die vorhandenen angebaut werden, um auch Bürener Pferde dort unterzustellen.

Es sollte jedoch alles anders kommen.

Bau der Reithalle

Als der Vereinsvorstand beim damaligen Stadtdirektor Weischer eine finanzielle Hilfe für diesen Stallbau in Salzkotten beantragte, schlug er vor, über den Bau einer Bürener Reithalle nachzudenken. Dann könne der städtische Zuschuss gleich in die Bürener Anlage fließen. Dieser wohlwollende Gedanke des Stadtdirektors war der Anlass, alles daran zu setzen, eine eigene Halle zu errichten. Jetzt wurde gerechnet und überlegt, was eine Halle kostet, wie sie finanziert und mit welchen Zuschüssen, Spenden usw. zu rechnen ist. Der Kassenbestand des Vereins bestand am 31.12.1966 aus nur 6.543,43 DM, wovon ein Teil für laufende Kosten benötigt wurde. Schon am 24.03.67 besichtigten die Herren Dr. Rövekamp, Bernhard Lummer, Franz Lemaitre und Albert Bunse eine Reithalle der Firma Dormann Langenfeld Rheinland, welche 55.138,00 DM kosten sollte.

Die Finanzierung sah wie folgt aus :

Die Spenden bestanden hauptsächlich aus einem Beitrag in Höhe von 500 Mark, den jeder Pferdebesitzer leistete. Fundamente, Erschließung, Ställe, Bande und vieles andere wurden ganz oder teilweise in Eigenleistung gemacht.

Am 29. Juni 1969 wurde die Halle eingeweiht. Reiter und Pferde hatten nun beim Training endlich ein Dach über dem Kopf. Verbunden mit einem Kreisverbandsturnier holte die Bürener Mannschaft erneut die Kreisstandarte.

Franz Lemaitre - langjähriger Geschäftsführer - sagte anlässlich der Generalversammlung im Jahre 1968 folgendes : "Wir hatten zwar beachtliche Sportanlagen für die Sommermonate geschaffen, und dieses alles, als ein ländlicher Reitverein ohne Mäzene und ohne wesentliche Inanspruchnahme öffentlicher und kommunaler Gremien. Lediglich mit Hilfe einiger sportbegeisterter Privatleute, deren Unterstützung hier ausdrücklich lobend erwähnt werden muß. Die Leistungen unserer aktiven Reiter stiegen stetig. Und dieses ist einzig und alleine der Verdienst unseres Ausbildungsleiters Herrn Dr. Rövekamp, der bis heute nicht nur die Seele sondern auch das Rückgrat unseres Vereins war und ist. Die Anzahl der wirklich guten Sommermonate in unseren Breitengraden ist eben zu klein um die Jugend ganzjährig in unserer Sportart bei der Stange zu halten und den Leistungsstand unserer Pferde zu fördern. So wurde der Gedanke einer Reithalle immer wieder von unseren aktiven Reitern zwar erwähnt, aber keiner glaubte an seine Verwirklichung."

Auch für die Züchter war der Bau der Halle ein enormer Vorteil, da die Pferde hier angeritten und ausgebildet werden konnten. In den siebziger Jahren und später wurden von vielen Mitgliedern die Reitpferdeauktionen mit guten Pferden erfolgreich beschickt.

Nach dem Bau der neuen Halle nahm der Reit- u. Fahrverein einen ungeheueren Auftrieb. Schon bald konnte eine Voltigiergruppe gebildet werden und ein Voltigierpferd vom Verein gekauft werden. Um noch weitere Pferde unterzustellen, wurde 1972 der ehemalige Kuhstall des Gutes Holthausen für Pferdeställe umgebaut und es konnten insgesamt 35 Pferde untergebracht werden.

Da der Reitbetrieb sich vorwiegend abends abspielte und die Schar der aktiven Reiter und Reiterinnen im Laufe der Jahre immer größer wurde, kam es oft zu Engpässen, besonders wenn beim Reitbetrieb noch longiert wurde. Auch für die nun regelmäßig im Frühjahr stattfindenden Hallenturniere war die Halle kaum groß genug. Ebenso fehlte Zuschauerraum. Der Verein entschloss sich 1979, eine Hallenverbreiterung und -verlängerung vorzunehmen. Wieder mit einem hohen Einsatz an Eigenleistung wurde die Halle um 20 m verlängert und seitliche Tribünen geschaffen.

In den nachfolgenden Jahren wurden immer wieder Neuanschaffungen und Erweiterungen getätigt. Dazu zählen der Anschluss an die Kanalisation, der Bau eines stehenden Geländeritts, die Erweiterung der Stallungen, der Umbau und die Vergrößerung der Aufenthaltsräume, die neue Toilettenanlage, die Erneuerung der Giebelseite der Reithalle und vieles mehr.

Ein weiterer Höhepunkt war der Neubau einer weiteren Reithalle im vorigen Jahr. Nun stehen dem Verein zwei Reithallen mit den Maßen 20m x 60m und 19m x 40m und ein Außenspringplatz zur Verfügung. In unmittelbarer Nähe der Reithalle hat der Verein fünf Hektar Weide gepachtet, wo Turniere und andere Veranstaltung, wie z.B. Stutenschauen, durchgeführt werden können. In den Sommermonaten können die Pferde des Vereins hier weiden. Die 545 Mitglieder des Vereins sind überwiegend Jugendliche. Die aktiven Reiter und Reiterinnen, Voltigierer und Fahrer haben nun gute Voraussetzungen sich diesem Volkssport zu widmen. Die dazugehörenden Stallungen bieten Platz für 60 Pferden.

Seit 1967 haben die Bürener Vereinsmitglieder auf Gut Holthausen ihr Domizil gefunden. Die landschaftlich schöne Umgebung in den Almeauen mit Blick auf die Jesuitenkirche bietet allen Veranstaltungen eine unvergleichliche Kulisse. Baron von Fürstenberg stellte Gebäude und Gelände zur Verfügung und ermöglichte so die kontinuierliche Weiterentwicklung des Vereins.

Für das diesjährige Jubiläum hat der Verein ein umfangreiches Programm geplant. Die Südostwestfalen-Military-Meisterschaft und ein Freilandturnier mit einer Springprüfung der Klasse S sind dabei die Höhepunkte.

Die Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins Büren